Kategorie-Archiv: Kritiken

Hier findet Ihr die Links zu Artikeln die sich kritisch mit unseren Filmen, Büchern oder auch Frisuren auseinandersetzen. Es sind nicht alle Artikel, was aber nicht daran liegt, dass wir die schlechten Kritiken aussortieren, sondern daran, dass einige Kritiken nicht mehr online zur Verfügung stehen.

Wir werden gedruckt

tv_digital

„Was für ein Jahr! Was haben wir wieder gelernt! Vor allem in Sachen Geheimdienste. Angela Merkel hat jetzt gelernt, dass sie den neusten Berliner Klatsch und Tratsch nicht mehr brühwarm nach Moskau durchtelefonieren kann. Und Edward Snowden in Moskau weiß jetzt, dass das Internet für uns „Neuland“ ist, wie es die Kanzlerin Barack Obama vortrefflich erklärt hat…“, so beginnt der Text, den wir für die Kollegen der Fernsehzeitschrift TV-Digital geschrieben haben. Die revanchieren sich mit einem ordnungsgemäßen Sendungshinweis. Prima. Danke.

Rundumschlag gegen die Koalition

Thorsten Wahl über den Satirischen Jahresrückblick in der Berliner Zeitung vom 23. 12.2011.

„Was die Satiren von Doyé und Wiemers aber besonders auszeichnet, ist der Einsatz von traditionellen Tricktechniken, die ansonsten nur noch im Kinderfernsehen zu erleben sind, etwa Scherenschnitt oder Stop-Motion-Puppentrick.“ 

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Überflieger

Fritz Wolf in epd Medien, Sa 05.01.2008 
über !!!Der satirische Jahresrückblick 2007

epd Satire in Politmagazinen geht meistens schief;Klaus Bednarz wusste ein Lied davon zu singen. Satire in „Frontal 21“ dagegen klappt, jedenfalls meistens. Der Rausschmeißer mit der TV-Glosse „Toll!“ von Andreas Wiemers und Werner Doye ist etablierter Standard und man freut sich drauf.

Durchaus logisch ist da die Idee, dies Material am Jahresende zu einem satirischen Rückblick zu verarbeiten. Das tun die Autoren jetzt seit vier Jahren. Und er entpuppte sich auch diesmal als schönes halbstündiges Pointenfeuerwerk und wahre Alternative zu den stundenlangen rührseligen oder bedeutungsschweren Archivopern, mit denen die meisten Sender sonst zum Jahresende ihr Publikum quälen.

So etwas wie Astronauten im Raumschiff, die im Sonnensystem Deutschland herumsausen, sind sie auch diesmal wieder und besehen sich das Schlamassel von hoch droben, wo man Überblick hat und Distanz. Von hier aus erscheint Horst Seehofer als Vorkämpfer der sexuellen Befreiung, Wolfgang Schäuble als Actionheld in „Schäuble reloaded“ und Eisbär Knut, nunmehr ausgewachsen, als brutaler Killer der Patenrobbe von Angela Merkel.
Wiemers und Doye beherrschen die Kunst, Bilder wörtlich zu nehmen und Politiker beim Wort. Das führte zum schönen Wettlauf um den „Tor des Monats“, den souverän Ronald Pofalla gewann mit seiner Forderung nach zwei neuen Dimensionen und dem hier sinngemäß wiedergegebenen Satz, wonach verhandelt wird, wenn verhandelt wird. Was die Autoren nicht nur zu der zielsicheren Pointe führt, dass Partei- Generalsekretäre den meisten Stuss reden, sondern auch zum abgedrehtesten Filmchen dieses Rückblicks. Da haben sich die Autoren ausgedacht, was wohl im Kopf des manchmal so leer vor sich hinstarrenden Ronald Pofallavorgehen muss. Und sie haben es in Animation zeichnen lassen. Da verunziert Pofalla erst Merkelporträts mit der Spraydose, reitet dann auf dem Besen über Berlin wie Harry Potter, um sich im Schlussbild wie Godzilla am Fernsehturm festzuhalten, Klein-Merkel in der Hand. Pofalla als Godzilla: darauf muss man erst einmal kommen. Das ist Satire aus dem Geist des Sprachgefühls, umgesetzt in Bilder. Wie überhaupt Politikkritik als Sprachkritik bei den „Toll!“-Autoren gut gepflegt ist. Deshalb lassen sie einen auch genau hineinhören (und dann erschauern) in einen Satz, wie ihn Angela Merkel zum EU-Vertrag hören ließ. Man könne darin, sagte sie, „den Geist der Notwendigkeit einer Einigung“ sehen. So viel Bürokratie muss sein. Angela Merkel gerät den beiden nicht nur an dieser Stelle, sondern mehrfach ins Visier. Leider auch in der kabarettistischen Schrumpfform der Stimmenimitation, wovon an diesem Fernsehabend zuvor schon reichlich in der letzten Sendung „Neues aus der Anstalt“ zu sehen und zu hören war. Auch an den Sprachkatastrophen Stoibers hielten Wiemers und Doye sich etwas zu lang auf – da ist der Beifall immer billig zu kriegen. Dafür entschädigte aber wiederum eine Szene etwas abseits der Politik, bei der „neuen Trendsportart Bereuen“. Erik Zabels tränenreiche Entschuldigung bei seinem Dopinggeständnis konfrontierten die Autoren mit der ausgefeilten rhetorischen Technik, mit der Michel Friedmannseinerzeit sein Geständnis zum Umgang mit Prostituierten fernsehgerecht präsentierte
– das war zwar nicht aus diesem Jahr 2007, aber trotzdem in dieser Kombination ein satirisches Highlight.
Am Ende ließen Wiemers und Doye die Zuschauer mit dem vulgärphilosophischen Satz: „Irgendwas geschieht immer“ zurück, in dem die Gelassenheit steckt, mit der sie sich auch im kommenden Jahr Material für genügend „Toll!“-Glossen sichern dürften. Dann verschwinden sie mit ihrem Raumschiff so schnell, wie sie auf dem Bildschirm eingeflogen waren. Ein kosmisches Jahr war das nicht, das Jahr 2007, eher ein komisches. Und 2008 wird es auch nicht anders werden. Fritz Wolf