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Postfaktische Zeiten (mit Fischen)

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Geht es Ihnen auch so? Man sitzt an so einem Wahlabend vor dem Fernseher, hört all den Wahlgewinnern zu und fragt sich die ganze Zeit: Was soll das denn jetzt? Geht Ihnen auch so? Das dachten wir uns schon und da wir uns als Service-Satire verstehen, haben wir mal versucht, herauszufinden, was das alles soll. Ein endgültiges Ergebnis haben wir noch nicht, aber wir nehmen stark an, dass es etwas mit Fischen zu tun hat. Oder mit Kaninchen. Unser Zwischenergebnis präsentieren wir im Toll! vom 20. September 2016.

Unser erster Haupstadtkommentar

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Das Heute Journal ruft an und bittet um einen Kommentar zu den Spitzenleistungen unserer Berliner Spitzenkräfte. Zu Recht, denn immer mehr Menschen in Deutschland fragen sich, was da eigentlich los ist, bei uns in unserer komischen Hauptstadt. Das zu erklären ist uns natürlich eine Ehre, der wir gerne nachkommen. Zu sehen in Heute Journal Plus. Oder hier einfach auf das Bild klicken.

Berlin. Was machen die eigentlich da?

Der Berliner Flughafen kommt wieder nicht. Bürgermeister Wowereit tritt wieder nicht zurück. Das wundert viele Menschen im Land. Warum ist vieles in Berlin so komisch?Satirischer Kommentar von Andreas Wiemers

Berlin ist ein gelebter Scherz. Die Produktion von großartigem und in der Regel teurem Unsinn ist bei uns Berlinern genetisch veranlagt. Schon vor knapp 800 Jahren bauten wir nicht etwa, wie normale Mittelaltermenschen, eine Stadt, sondern – Riesenlacher – zwei Städte an unsere Spree. Zwei Rathäuser, zwei Kirchen, zwei Arbeitsämter – nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Seitdem ist der Unsinn wesentlicher Teil unserer Stadtgeschichte. Einen Fußballverein „Hertha“ zu nennen, eine Mauer quer durch die Stadt zu bauen, ein Stadtschloß erst zu sprengen und dann wieder aufzubauen, so ein Quatsch können nur wir. Ebenso die Spitzenidee unseres Bürgermeisters Eberhard Diepgen und seines Kumpels Klaus-Rüdiger Landowsky, unsere komplette Landeskasse in wertlose Immobilien zu investieren. Seitdem haben wir  60 Milliarden € Schulden. Wer weis, dass Politiker gelegentlich aufkommende Ideen in aller Regel unter zu Hilfenahme von Geld realisieren, der ahnt, was so viel Schulden für eine Stadt wie unsere bedeuten. Da es gar kein Geld gibt, findet bei uns auch Politik im eigentlichen Sinne nicht mehr statt. Wir Berliner machen uns aber einen Spaß daraus und simulieren Politik einfach weiter. Ähnlich wie im Kölner Karneval wählen wir regelmäßig einen Bürgermeister, der die Stadt fünf närrische Jahre lang regieren darf. Und vor diesem Hintergrund wird auch unserer Witzveranstaltung rund um unseren neuen Flughafen verständlich. Es geht nicht drum, Flugzeuge starten und landen zu lassen, es geht uns nur ums Vergnügen. Und wenn das Vergnügen am Schluss noch mal 10 Milliarden Euro kostet – was soll´s? Dann kommen zu den 60 Milliarden Schulden eben noch mal 10 dazu. Lustig. Ob Ursula von der Leyen jetzt sieben oder acht Kinder hat, ist am Schluss doch auch egal.